Ein Gespräch über die SELODY-Hausbesuche

Nina Arisci war im Gespräch mit L.H.

L.H. ist 30 Jahre alt, Masterstudentin der Psychologie im dritten Semester und war eine unserer SELODY-Hausbesuchsleiterinnen. Im Interview gibt sie einen Einblick in den Ablauf dieser Hausbesuche, in ihre Erlebnisse und Erfahrungen. 

Du hast in den vergangenen Monaten so einige Hausbesuche für die SELODY-Studie gemacht. Wie sah die Vorbereitung für so einen Hausbesuch aus?

Als erstes musste ein Termin gefunden werden. Danach wurde zwischen den beiden Hausbesuchsleiterinnen entschieden, wer welche Rolle einnehmen würde: Es gab eine eher aktivere Person, die mehrheitlich das Gespräch leitete, und eine Person, die eher im Hintergrund arbeitete und für die Technik verantwortlich war. Vor dem Termin schauten wir, welches Paar uns erwartete: wie sie hiessen, wo sie wohnten, wie alt sie waren, was wir vor Ort beachten müssten, usw. Das Skript musste nochmals geübt und das Kamera-Equipment kontrolliert werden.

Gab es auch Dinge, auf die man sich nicht vorbereiten konnte?

Wenn wir in der Wohnung des Paares ankamen, wussten wir Hausbesuchsleiterinnen zwar, in welche Richtung das Gespräch verlaufen würde und was unsere Ziele waren, doch was das Paar mitbringen würde, was einem in der Wohnung erwarten würde, welche Stimmung herrschen würde, konnten wir nicht voraussagen. Auch wenn wir bei den tatsächlichen Gesprächen über die Herausforderungen der Beziehung nicht dabei waren und zuhörten, kriegte man doch ein Gefühl für das Leben der beiden. Auf diese “Nähe” konnte man sich nicht richtig vorbereiten.

Ist dir ein Erlebnis besonders in Erinnerung geblieben? 

Eines der Paare hat mich im liebevollen und respektvollen Umgang miteinander sehr berührt. Ich erinnere mich immer noch öfters an die fröhliche und schöne Stimmung bei dem Paar zuhause. 

Bei den Paaren, die ihr besucht habt, war eine Person im Paar von einer Sehbehinderung betroffen. Hast du da in den Gesprächen deine Kommunikation manchmal angepasst?

Ein wenig, ja. Ich habe beispielsweise erklärt, von welcher Seite ich ihnen das Mikrofon am Kragen befestigen werde, dass wir nun das Zimmer verlassen werden und ähnliches. Besonders viel musste ich jedoch nicht anpassen.

Gibt es Eindrücke, die deine Einstellung zu Sehbehinderungen und Hörsehbehinderungen verändert haben?

Ich fand es zu Beginn erstaunlich, wie selbstverständlich und zielsicher sich die Person mit der Sehbehinderung in der Wohnung bewegt hat. Einmal konnte die Partnerin der Person mit der Sehbehinderung ein Ladegerät nicht finden. Ihr Mann konnte ihr auf Anhieb genau sagen, wo es war und hatte auch recht. Das war wirklich interessant zu beobachten.

Vielen Dank für deine Bereitschaft, meine Fragen zu beantworten!

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